Monatsspruch Dezember 2012

Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir!
(Jesaja 60,1)

Findet in Ihrer Gegend auch ein Überbietungswettbewerb in den Vorgärten statt, wer mehr Lichterketten und Lichtfiguren aufstellen und zum Leuchten bringen kann? Als Passant ist das schön anzusehen. Die Stromkonzerne freuen sich. Es wird heller. Aber die Dunkelheit im Innern bleibt. Zwar vertreibt der äußere Schein für ein paar Momente das Dunkle, aber wesentlich ändert sich gar nichts. Die dunkle Jahreszeit ist häufig auch eine Zeit der Verdrängung – überall Jahrmarktstimmung, fröhliche Musik, helles Licht. Und viele machen sich auf, um noch die notwendigen Weihnachtsgeschenke zu kaufen für den Familienfrieden.

„Mache dich auf, werde licht“ – das ist eine ungewöhnliche Aufforderung. Diese Herausforderung bedeutet nicht die Lichterkette anzubringen und den Lichtschalter anzuknipsen, sondern selbst, als Person, hell zu werden. Dieses Wort traf auf Menschen, die am Boden zerstört und niedergefallen sind. Dieses Wort traf Menschen, um die und in denen es dunkel geworden war. Dieses Wort ist auf Hebräisch eine Aufforderung an eine Frau. Alle Befehlsformen des Textes sind weiblich, denn Zion, der Stadt Gottes, Jerusalem, wird gesagt: „Steh auf! Werde hell!“. Das ist keine flapsige Redeweise nach dem Motto: „Kopf hoch, es wird schon wieder.“ Ganz im Gegenteil: Gott persönlich kommt, damit es wieder hell wird. Das weibliche Du, Jerusalem, soll aufstehen und erstrahlen und die Jungfrau Babylon soll herabsteigen und sich in den Staub setzen (Jes 47,1). Das Licht verdrängt die Finsternis.

Dein Licht kommt! Was da tiefgreifende Veränderung bewirkt, ist mehr als etwas Schein. Es geht nicht um etwas Stimmungsaufhellung, obwohl viele dafür schon manches geben würden. Es geht darum, dass Gott selbst sich aufmacht. Gott macht sich auf den Weg. Er kommt!

In jüdischen Familien wird in diesen Tagen Kerze für Kerze der achtarmigen Chanukkaleuchter entzündet. Mit diesem Lichterfest erinnern sich Juden daran, dass der 2.Tempel in Jerusalem 164 v. Chr. wieder eingeweiht wurde und dort der Leuchter ewig leuchten sollte. Im Jahr 70 n. Chr. vermochten die Römer den Tempel und den Leuchter zu zerstören, aber das Licht konnten sie nicht aufhalten, fortan wird in den jüdischen Familien zu Hause das Lichterfest gefeiert.

Als Christen glauben wir, dass der eine Leuchter, das Licht der Welt gekommen ist. Jesus Christus verkörpert die Herrlichkeit Gottes. Mit ihm soll allen Menschen ein Licht aufgehen. Die Finsternis ist durch ihn verdrängt. Er hat die Dunkelheit überboten. Jesus kann es im Herzen hell machen. Mit ihm kann ich aufstehen zu einem neuen Leben. Aufrecht und hell. Was wäre das für eine Adventszeit, in der es nicht nur um mich herum hell wird, sondern in mir. Und durch mich in anderen. Werde licht, denn Christus kommt!

Michael Rohde

Prof. Dr. Michael Rohde ist Professor für Altes Testament und Bibliotheksleiter am Theologischen Seminar Elstal (FH).

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