Monatsspruch September 2012

Bin ich nur ein Gott, der nahe ist, spricht der HERR, und nicht auch ein Gott, der ferne ist? (Jer 23,23)

Unüberhörbar spricht Gott ein klares Nein, das im hebräischen Text noch schärfer klingt als in Luthers Übersetzung. Nein, ich bin kein Gott, der euch immer zu Gefallen ist; der immer nur tröstet und euch stets nah und freundlich zur Verfügung steht. Ich bin kein Gott der Wunschträume eurer Herzen.

Eine klare Ansage Gottes in diesem Kapitel, in dem Jeremia eine Fülle von Drohungen gegen falsche Propheten auszusprechen hat. Manche von ihnen haben durch ihren Lebenswandel jede Glaubwürdigkeit verloren (Verse 11 und 14), andere reden in eigenem statt in Gottes Namen (V. 16). Statt heilsam zu beunruhigen und zur Umkehr aufzurufen, reden sie Menschen nach dem Mund und leiern ihr „alles wird gut“ (V. 17). Gott stellt Distanz her und schleudert sein Nein gegen alle, die meinen, als „lieber Gott“ sage er zu allem Ja und Amen und sein Heil liege gewissermaßen frei auf der Straße zur Selbstbedienung herum.

Gott ist ebenso ein Gott der Nähe und der Ferne. Erst seine Ferne macht seine Nähe wertvoll. Nur auf dem Hintergrund des Gerichts erweist sich das göttliche Heil als unverdientes Geschenk. Dabei meint die Ferne Gottes keineswegs Abwesenheit oder gar ein Desinteresse an seinem Volk. Die drei in Frageform gekleideten göttlichen Selbstaussagen in den Versen 23 und 24 gehören zusammen: Auch in der Ferne hat Gott den Menschen im Blick, der sich vor ihm verbergen möchte. Der ferne Gott erfüllt Himmel und Erde, er befindet sich nicht auf dem Rückzug von seiner Welt und ihren Menschen.

Der Wechsel von Nähe und Distanz gehört auch zum gelingenden menschlichen Leben. Aus der Ferne betrachtet erscheinen Dinge anders als in der Nähe. Darum möchten wir manche Situation aus einem Abstand heraus bedenken. Distanz eröffnet andere Perspektiven und erlaubt einen klaren Blick.

Wenn Gott ferne ist, sehen und erleben wir ihn notwendig anders, als wenn er nur nahe ist. Unbegreiflich und unverfügbar. Er entzieht sich denen, die meinen, ihn zu kennen und erweist sich gerade darin als Gott. Gottes Nein ist Ausdruck seiner Souveränität. Immer aber ist es ein Nein in der Liebe.

Olaf Kormannshaus

Olaf Kormannshaus unterrichtet Praktische Theologie mit dem Schwerpunkt Seelsorge sowie Psychologie am Theologischen Seminar Elstal (FH).

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